novum 02/18 mit einem Interview zu FREISTIL #6

Von Raban Ruddigkeit 12. Januar 2018 Kommentare 0

Die aktuelle Ausgabe der Novum – World of Graphic Design widmet sich übergreifend der Illustration. So gibt es u.a. auch ein Interview mir FREISTIL-Herausgeber Raban Ruddigkeit, das wir hier gekürzt zitieren.

Die sechste Auflage von »Freistil« wird wie seine Vorgänger wieder reißenden Absatz finden – Illustration boomt! Herausgeber Raban Ruddigkeit kennt die Szene wie kein anderer; wir sprachen mit dem Kreativen über den Status quo und baten ihn um seine Einschätzung für die Zukunft.

novum: Täuscht es oder wird derzeit tatsächlich wieder verstärkt auf Illustration
in Editorial, Werbung und auch in der Buchgestaltung gesetzt?

Raban Ruddigkeit: Tatsächlich gibt es im Moment mehr Illustration zu sehen, als das noch vor zehn oder zwanzig Jahren der Fall war. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass man mit Zeichnungen im immer unübersichtlicheren Angebot der Medien und Produkte zumindest einen deutlicheren und individuelleren Eindruck hinterlassen kann. Aber wenn du mich ganz persönlich fragst, kann es gar nicht genug Illustration geben. Die Zeichnung war der erste Ausdruck der Menschheit und wird als Medium immer unersetzbar sein.

Auf welchen Spielfeldern liegen deiner Meinung nach die zukünftigen Chancen für Illustratoren?
Es gibt Möglichkeiten, die man selbst ergreifen kann: Da ist zum einen der Wunsch der Menschen nach mehr Verständlichkeit in einer immer komplexer werdenden Welt. Hier hat sich die Infografik als ein wachsendes Segment erwiesen, das mittlerweile von Firmen angeboten wird, die Dutzende Mitarbeiter haben.

Hier ist noch sehr viel Raum für neue gestalterische Ansätze, die irgendwo
zwischen klassischer Illustration, Grafikdesign und manchmal auch Bewegtbild liegen können. Das setzt jedoch neben den Illu-Skills auch noch ein bisschen journalistisches und grafisches Geschick voraus.

Ein zweiter Bereich ist das Selbst-Kreieren von Produkten und Angeboten.
Illustrierte Bücher und Graphic Novels werden weiterhin gelesen
werden, wenn sie eine menschliche Tiefe und damit eine Bedeutung besitzen.
Da gibt es Verlage, die sich sehr engagieren, aber es besteht auch
immer mehr die Möglichkeit, das selbst zu initiieren und zu vertreiben. Meine Partner Lea Brousse, Andreas Fehn, Lars Harmsen und ich haben gerade eine Plattform freigeschaltet, auf der Kreative ihre Träume umsetzen können: coblisher.com

Wo geht es stilistisch hin? Was liegt derzeit im Trend?
Wie in der Mode und der Musik sind es weniger Trends, die gegeneinander arbeiten, als eine neue Vielfalt, die Verschiedenes parallel möglich macht. Und deshalb behaupte ich, dass es die Mischformen sind, die man als neuen Stil erkennen kann. Digital trifft analog, Collage trifft Scribble und Farbe trifft Schwarz-Weiß. Aquarell und Fineliner werden ebenso kombiniert wie Rendering und Photoshop – so entstehen Formensprachen, die es bisher noch gar nicht gab. Das macht für mich die eigentliche Faszination der Illustration von heute aus.

Dein Ratschlag für den illustrativen Nachwuchs?
Beim Internet handelt es sich um ein Medium, das seine Kraft erst noch entfalten wird. Eigentlich ist es ein Mediensprung, der nur mit der Erfindung des Buchdrucks verglichen werden kann. Vor allem ist es ein neuer Vertriebskanal und es werden sich noch viele Möglichkeiten entwickeln, Bilder, Filme und Ideen in die Welt zu tragen. Wenn man dabei die Qualität nicht aus den Augen verliert, hat man als Zeichner auch in Zukunft gute Karten. Denn Menschen interessieren sich am Ende immer nur für – Menschen!