»Herr Lehmann« gezeichnet von Tim Dinter

Von Raban Ruddigkeit 03. Oktober 2014 Kommentare 0

Drei Jahre hat der Berliner Illustrator an seinem ersten Comic gearbeitet, das ich ganz bewußt nicht Graphic Novel nennen möchte. Denn das sind quasi immer die Veröffentlichungen, die keiner versteht und die deshalb kaum jemand kauft.

Ich möchte das hier einfach mal Bildergeschichte nennen dürfen, frei nach Wilhelm Busch, der diese Tradition begründet hat. Und der in Tim Dinter einen würdigen Nachfolger gefunden hat. Das Buch, das eigentlich nur eine Adaption von Sven Regeners Roman und dem darauf folgenden Film darstellt, hätte vieles falsch machen können. Doch weil sich Dinter nicht auf die Fährten von Regener-Kult und Berlin-Dropping hat locken lassen, ist tatsächlich etwas ganz besonderes entstanden.

Dichte Atmoshäre, glaubhafte Charaktere und ein Berlin, das sich tatsächlich so angefühlt hat, machen dieses Buch für mich zu einem Maßstab für jeden, der Geschichten in Bildern erzählen will. Ein Kunstgriff, der dabei zu helfen scheint, ist der, dass sich Dinter selbst als Protagonist darstellt, auch wenn er das natürlich weit von sich weisen wird. Dieser kleine Trick macht das Erzählen dann tatsächlich authentisch und holt die Geschichte damit auch ins Heute, das vor allem mit verqueren Nostalgien und unrichtigen Historien aufzuwarten weiß. Deshalb ist der 3. Oktober auch ein würdiger Tag, dieses Buch jedem ans Herzen zu legen, der tatsächlich etwas von der Zeit vor 25 Jahren wissen möchte. Oder um mal das Buch zu zitieren; »Was soll das überhaupt heißen: Die Mauer ist offen. Der Arsch ist offen.«

Sven Regener »Herr Lehmann« Gezeichnet von Tim Dinter
Eichborn Verlag, Hardcover, 238 Seiten, 19,99 EUR, Erscheint am 08.10.2014

www.timdinter.de