3 Fragen an: »Illustrative 2009«

Von Raban Ruddigkeit 10. November 2009 Kommentare 1

Die »Illustrative« gehört zu den größten Shows für Illustration in Europa. Mittlerweile gibt es neben der Ausstellung auch ein intensives Rahmen-Programm. Soeben sind die Macher Katja Kleiss und Pascal Johanssen (Abbildung) mit dem Abbau der Berliner Ausstellung fertig und stehen Freistil-online Rede und Antwort.

Eine Riesenausstellung, deren Eröffnung überrannt wurde, eine eigene Zeitschrift, eine Konferenz, ein Agenturtag, Preisverleihungen am laufenden Band und jede Menge Marketing. Die »Illustrative« hat sich zu einem Publikums-Event entwickelt. Doch je mehr einzelne Bausteine es gibt, desto eher versucht man natürlich, eine roten Faden zu finden. Könnt Ihr bitte beschreiben, was die »Illustrative« im innersten zusammenhält?

Pascal: Eine Zeitung hat einmal geschrieben: Die Illustrative zeigt die Künstler unter den Handwerkern (gemeint waren Illustratoren). Das trifft es eigentlich, das ist nach wie vor das, was die Illustrative vorantreibt. Eine Recherche nach dem künstlerischen Potential in der Illustration.

Katja: Wir fragen uns einfach: Wer prägt unsere jetzige Zeit, wer hat Einfluss auf die aktuelle Ästhetik, wer hat das Potential, kurzlebige Moden zu überdauern? Im Grunde geht es also weniger um abstrakte Begriffe wie Illustration, Grafik oder Kunst, sondern um Personen und Positionen. Dadurch entsteht natürlich ein heterogenes Künstlerfeld, aber man erkennt auch in der Gesamtheit schon die Tendenz einer, wenn man so will, gegenwärtigen Kunstströmung.

Pascal: Diese neue Kunstströmung ist das, was die Ausstellung primär zu zeigen versucht. Die Ausstellung steht im Mittelpunkt, alles andere sind Ergänzungen. Das Magazin dient dazu, gemeinsam mit Experten das inhaltliche Fundament dieses Phänomens weiter zu erarbeiten, da existiert nämlich immer noch recht wenig. Die Wettbewerbe geben neuen Talenten eine Plattform und andere, kleinere Veranstaltungen bringen vor allem Menschen zusammen.

Illustration und Kunst unterscheiden sich für mich maßgeblich dadurch, dass Illustrationen gedruckt oft besser aussieht als im Original. Und Kunst oft gar nicht reproduzierbar erscheint. Bei der »Illustrative« sollen diese Grenzen verschwimmen. Aber wenn ihr euch entscheiden müsstet; sind die ausgestellten Arbeiten eher Kunst oder Kommerz?

Katja: Kunst. Diese Entscheidung zu treffen und die künstlerischen Arbeiten von den kommerziellen zu trennen ist ja gerade der Sinn und Zweck der Illustrative!

Pascal: Trennung von kommerziellen Arbeiten auf jeden Fall. Wir haben in der Ausstellung nur Arbeiten, die eben nicht vor einem kommerziellen Hintergrund entstanden sind. Das heißt aber nicht, dass man die Einflüsse aus dem kommerziellen Kontext nicht bemerken würde. Die sind natürlich da. Und so entstehen Durchlässigkeiten an den Grenzen der Bildenden Kunst, die die Ausstellung den Besuchern vor Augen führen will. Das ist übrigens nicht so leicht.

Katja: Der Grad zwischen Vielfalt und Beliebigkeit ist schmal. Und eine Frage der Perspektive.

Pascal: Ich glaube, eine zu scharfe Kategorisierung ist immer ein Stück Einbildung und eine Schlacht um Begriffe. Begriffe sind alle unklarer als man denkt. Deine Frage, Raban, ist das beste Beispiel: Ich persönlich würde z.B. nicht Kunst und Illustration danach unterscheiden, ob das eine im Druck besser aussieht als das andere. Klar werden Druckgrafik und Illustration im Hinblick auf den Druck produziert und sehen daher oft besser in der Reproduktion aus. Aber es gibt natürlich auch brilliant abgebildete Kunst. Ich verstehe Illustration ganz funktional, als bildlichen Kommentar zu einem Text oder einer Botschaft. Wenn diese Aufgabe fehlt, ist es keine Illustration. Demnach fällt z.B. eine künstlerische Druckgrafik, die sich nicht als konkreter beauftragter Bildkommentar versteht, in den Bereich der Kunst. Aber man sieht ja: Ganz klar ist es nicht ...

Mir ist aufgefallen, dass es zwei unterschiedliche Betrachtungen der »Illustrative« gibt. Die Öffentlichkeit reagiert begeistert, die Branche selbst ein bisschen zwiespältig. Woran liegt das Eurer Meinung nach?

Katja: Die Illustrative ist tatsächlich eine Publikumsveranstaltung. Als Branchentreffen war die Illustrative nie gedacht, es ging uns immer darum, das künstlerische Potential außerhalb der Branche bekannt zu machen.

Pascal: Ja, und von daher kann ich verstehen, dass man, wenn man ein Branchentreffen erwartet, womöglich einiges vermisst. Vor allem sicherlich klassische Illustration, aber auch einen Querschnitt der angewandten Szene. Aber das kann die Illustrative nicht leisten, sonst müssten wir eine Messe initiieren und Stände verkaufen. Das wäre aber eine ganz andere Veranstaltung.

www.illustrative.de

(Abbildungen: Illustrative)

illustrative 2009

Interessantes Interview - und nicht zu lange :-) und danke für dein Engagement für die (deutschsprachige) Illustration Raban! p